Spezielle Stifte, Scheren und Hefte: So können Linkshänder-Kinder in Schorndorf optimal in die Schule starten und Frust vermeiden.
Stand: 29.06.2026, 10:00 Uhr

Spezielle Stifte, Scheren und Hefte: So können Linkshänder-Kinder in Schorndorf optimal in die Schule starten und Frust vermeiden.
Schorndorf. Die Zeiten, in denen Linkshänder in der Schule gezwungen wurden, mit Rechts zu schreiben, sind zum Glück weitestgehend vorbei. Nannette Hanke weiß aber noch genau, wie fürchterlich die Umschulung für sie selbst war. Bis vor drei Jahren hat die 56-Jährige auch noch mit Rechts geschrieben: „Ich war eine 150-prozentige Rechtshänderin“, sagt die ehemalige Grund- und Hauptschullehrerin aus Schorndorf. Ihr Aha-Erlebnis hatte sie in ihrer kunsttherapeutischen Ausbildung, bei der beide Hände gleichberechtigt zum Einsatz kamen. Es folgte eine Ausbildung zur Schreib-, Schrift- und Händigkeitsberaterin. Heute kann sie Eltern, Lehrern und Betroffenen wertvolle Tipps geben.
Dass sie Linkshänderin ist, das hatte die 56-Jährige tatsächlich lange verdrängt: Erst nachdem sie 2023 nach einer Hirnblutung und einer Tumor-Operation halbseitig gelähmt war und mit Yoga, künstlerischem Gestalten und Tanzen ihre Wahrnehmung und Balance wiederfand, hat sie sich auf ihre eigentlich starke Hand besonnen. Dass sie zuvor jahrelang mit Problemen im Nacken und den Händen zu tun hatte, führt sie letztendlich auch auf die erzwungene Umschulung zurück: „Das ganze System wird durcheinandergebracht.“ Konzentrationsschwierigkeiten, Müdigkeit, verlangsamtes Lerntempo, Sprachauffälligkeiten und Rechtschreibschwäche, Minderwertigkeitsgefühle und Konflikte mit Lehrern können sie Folge sein. Und so war ihr erstes Mal, mit Links zu schreiben, wie eine Erlösung – „auch wenn’s fürchterlich krakelig war“.
Stifte, Scheren, ja sogar spezielle Hefte für LinkshänderDiese Erfahrung hat bei Nannette Hanke so viel Eindruck hinterlassen, dass sie ihr Wissen weitergeben und Eltern von Linkshändern aufklären will. Denn obwohl Kinder in der Schule mittlerweile mit Links schreiben dürfen, ist die Nachahmung aus Nannette Hankes Sicht nach wie vor das Problem: „Unsere ganze Umwelt ist auf Rechtshänder ausgelegt.“ Die Unterschiede sind allein beim Schreiben gewaltig: Linkshänder schieben, Rechtshänder ziehen den Stift. Beim Spitzen drehen Linkshänder linksrum, die meisten Spitzer sind aber für die andere Drehrichtung ausgelegt. In Klassenzimmern, auch das ist ein Aspekt, ist der Lichteinfall durch die Fenster für Linkshänder oft verschattet. Mittlerweile gibt es aber spezielle Scheren und Stifte, ja sogar Hefte mit diagonalen Linien, damit Linkshänder nicht mit der typischen Hakenhand schreiben müssen. Hilfsmittel, die zum bevorstehenden Schulanfang gut in die Schultüte von Linkshändern passen.
Schreib-, Schrift- und HändigkeitsberaterinNannette Hanke bietet Händigkeitsberatungen und Linkshänder-Tests an. In ihrem Yogaraum in der Grabenstraße 28 lädt sie Interessierte zu einer Infoveranstaltung zum Thema „Einschulung und Händigkeit“ auf Samstag, 27. Juni, ein, Beginn ist um 14 Uhr. Anmeldung und weitere Informationen auch zu ihrer kunsttherapeutischen Praxis in der Künkelinstraße 70 gibt es im Internet unter kunstraum-hanke.de.