Ein modernes Kinderhaus für Schorndorf: Was das Konzept für Kinder mit und ohne Behinderung bedeutet und wie alle profitieren.
Stand: 28.06.2026, 16:00 Uhr

Ein modernes Kinderhaus für Schorndorf: Was das Konzept für Kinder mit und ohne Behinderung bedeutet und wie alle profitieren.
Schorndorf. Die Zustände an der Fröbelschule in Schorndorf sind untragbar geworden. Und nicht nur an diesem Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrum (SBBZ) ist die Raumnot groß. In den fünf SBBZ zwischen Rems und Murr steigen die Schülerzahlen; die Schulen und Kitas platzen aus allen Nähten. Ein Bildungscampus soll Entlastung bringen.
Gerade Schülerinnen und Schüler mit Handicap brauchen Platz, um konzentriert arbeiten, sich selbstständig fortbewegen und auch mal ausruhen zu können. Diese Möglichkeiten fehlen. Mit Notlösungen und Improvisieren ist es längst nicht mehr getan. Der Verwaltungs-, Schul- und Kulturausschuss des Kreistages hat den Startschuss für den Bildungscampus Rainbrunnen gegeben.
Es fehlt akut an Lehrkräften in sonderpädagogischen SchulenIm jährlichen Schulbericht gehören die Klagen der SBBZ bereits zum Ritual. Die Gründe gehen über die blanke Raumnot weit hinaus. Denn es fehlt auch akut an Lehrkräften für immer mehr Schülerinnen und Schüler. Seit 2022 erhöhten sich die Schülerzahlen von 628 auf 730 Kinder und Jugendliche in den fünf sonderpädagogischen Schulen des Rems-Murr-Kreises. Eine Prognose geht von einer weiteren Steigerung um 37 Prozent bis 2033/34 aus.
„Wir wissen nicht, wo wir die Schüler unterbringen sollen“, hatte Landrat Richard Sigel im März in der Debatte über den Schulbericht eingeräumt. Sigel rechnete mit einem Investitionsbedarf von insgesamt 40 bis 50 Millionen Euro. Der größte Batzen mit über 36 Millionen Euro entfällt auf den Bildungscampus in Schorndorf. Dank der Förderung des Landes von 70 Prozent und den Geldern aus dem Sondervermögen des Bundes ist der Rems-Murr-Kreis jedoch fein raus.
Neues Kinderhaus vereint mehrere Einrichtungen unter einem Dach„Alle Einrichtungen unter einem Dach“, brachte Benjamin Wahl, Leiter des Amtes für Schulen, Bildung, Kultur, das Konzept auf den Punkt. Kernstück des Projekts ist der Neubau eines modernen, barrierefreien „inklusiven Kinderhauses“, in dem künftig insgesamt vier (Schul-)Kindergärten sowie die erste und zweite Klasse der Außenstelle Schorndorf der Christian-Morgenstern-Schule zusammengeführt werden sollen.
Damit erhalten unter anderem der Schulkindergarten am Grafenberg, der Christian-Morgenstern-Schulkindergarten und der Schulkindergarten Pusteblume eine gemeinsame Heimat. Parallel dazu ist eine Erweiterung der Fröbelschule Schorndorf geplant. Für das SBBZ mit den Förderschwerpunkten geistige sowie körperlich-motorische Entwicklung entstehen in einem Erweiterungsbau zehn weitere Klassenzimmer sowie eine vergrößerte Mensa.
Ein Alleinstellungsmerkmal des Projekts ist die geplante Ausweitung der bewährten Intensivkooperation der frühkindlichen Einrichtungen: Gemeinsam mit der Stadt Schorndorf sollen zwei weitere integrative Regel-Kita-Gruppen eingerichtet werden, sodass künftig insgesamt drei Kita-Gruppen in das inklusive Konzept eingebunden wären. So könnten Kinder mit und ohne Behinderung von einem gemeinsamen Lernort profitieren – und der Landkreis trägt zugleich dem steigenden Bedarf an Betreuungsplätzen in Schorndorf Rechnung.
Barrierefreiheit für das gesamte Gebäude muss gewährleistet seinDie Anforderungen des Gebäudes für die teils schwerst- und mehrfach behinderten Kinder und Jugendlichen seien enorm, erklärte Benjamin Wahl im Ausschuss. Vorausgesetzt war die Barrierefreiheit für das gesamte Bauwerk. Das beginne bei der Ankunft der Kinder und Jugendlichen, die mit Kleinbussen kommen, gehe über den Zugang zum Gebäude bis hin zur Gestaltung der Räume selbst.
Für die Ausgestaltung der Räume der Kindergarten-Gruppen wie auch der Klassenräume gebe es besondere Anforderungen. So sind beispielsweise neben Klassen- und Gruppenräumen auch Differenzierungs- und Beratungsräume erforderlich sowie zusätzlicher Raum für Hilfsmittel wie Rollstühle oder Gehhilfen, um für die Kinder und Jugendlichen mit den Förderschwerpunkten körperlich-motorische, geistige und sprachliche Entwicklung gemäß Schulbaurichtlinie eine gute Infrastruktur bieten zu können.
Investitionssumme beläuft sich auf fast 37 Millionen EuroWeil der Kreis finanziell klamm ist, sei schon in der Planungsphase nach Einsparpotenzialen gesucht worden. So soll ein Teil der Einrichtungen aus den bestehenden Gebäuden mitgenommen und weiterhin genutzt werden. Der Landkreis rechnet mit einer Investitionssumme von fast 37 Millionen Euro, von denen rund 17 Millionen Euro auf das Gebäude selbst entfallen sowie acht Millionen auf die Außenanlagen und Baunebenkosten. Für „Unvorhergesehenes und Preissteigerungen“ sind 4,5 Millionen Euro eingepreist.
Aus eigenen Mitteln könnte sich der Rems-Murr-Kreis den Bildungscampus freilich gar nicht leisten, betonte Landrat Richard Sigel. Noch fehlt zwar die offizielle Zusage des Regierungspräsidiums, den Bildungscampus mit mindestens 70 Prozent zu fördern. Sicher ist jedoch, dass der Kreis sich aus dem Geldtopf des Länder- und Kommunal-Infrastrukturfinanzierungsgesetzes bedienen kann. Das Projekt könne umgesetzt werden, ohne den regulären Kreishaushalt zusätzlich zu belasten. Für den Landkreis entstünden unter dem Strich keine tatsächlichen Eigenkosten.
Die finale Entscheidung zum Projekt trifft der Kreistag voraussichtlich am 13. Juli.