Viele Menschen sind auch "verschwunden" und es drohen zahlreiche neue Todesurteile, um den Widerstand zu unterdrücken.
Staatliche Medien berichteten, dass bis zum 16. Januar 2026 Tausende von Menschen im Zusammenhang mit den Protesten verhaftet wurden. Informationen, die Amnesty International von unabhängigen Medien, Menschenrechtsorganisationen und Menschenrechtsverteidiger*innen erhalten hat, deuten darauf hin, dass Zehntausende von Menschen weiterhin willkürlich inhaftiert sind. Die Behörden haben im ganzen Land Festnahmen vorgenommen, darunter in den Provinzen Alborz, Ardabil, Bushehr, Isfahan, Fars, Gilan, Golestan Hormozgan, Kerman, Kermanshah, Khorasan Razavi, Khuzestan, Kurdistan, Lorestan, Markazi, Mazandaran, Qazvin, Qom, Semnan, Sistan und Belutschistan, Teheran, West-Aserbaidschan, Yazd und Zanjan, wie die staatlichen Medien seit dem 8. Januar bekanntgaben. Staatlichen Medien zufolge wird den Demonstrant*innen unter anderem vorgeworfen, Verbindungen zu persischsprachigen Medien außerhalb des Irans zu haben, darunter Iran International und Manoto, einer monarchistischen Gruppe anzugehören, "Anführer" der Proteste zu sein, Waffen zu besitzen, zu "randalieren" und Angehörige der Sicherheitskräfte zu töten. Amnesty International hat Berichte erhalten, wonach die Behörden angesichts der systematischen Verweigerung des Zugangs zu Anwält*innen Gefangene zwingen, Erklärungen zu unterschreiben, die sie zuvor nicht lesen durften, und erzwungene "Geständnisse" zu Verbrechen abzulegen, die sie nicht begangen haben, sowie zu friedlichen Handlungen von Dissens.
Die Familien der Inhaftierten, Aktivist*innen und Journalist*innnen haben Amnesty International mitgeteilt, dass die Behörden sich regelmäßig weigern, Informationen über das Schicksal und den Verbleib vieler Inhaftierter zu geben, wodurch diese Personen dem Völkerrechtsverbrechen des Verschwindenlassens zum Opfer fallen. Einige der Festgenommenen wurden in Gefängnisse und andere offizielle Haftanstalten gebracht, während andere in Militärkasernen, Lagerhäusern oder anderen Haftanstalten ohne offizielle Registrierung festgehalten werden, wodurch sie einem erhöhten Risiko von Folter und anderen Misshandlungen ausgesetzt sind.
In einem von Amnesty International dokumentierten Fall durchsuchten Sicherheitskräfte am 9. Januar 2026 das Haus der Familie eines Demonstranten, Amirhossein Ghaderzadeh, in Rasht in der Provinz Gilan und setzten ihn und seine beiden Schwestern sexualisierter Gewalt aus, was einen Verstoß gegen das absolute Verbot von Folter und anderen Misshandlungen darstellt. Die Sicherheitskräfte zogen ihn und seine beiden Schwestern, von denen eine erst 14 Jahre alt ist, vor allen Anwesenden nackt aus, um ihre Körper auf Metallkugeln zu untersuchen, um ihre Teilnahme an den Protesten zu "beweisen". Anschließend nahmen die Sicherheitskräfte Amirhossein Ghaderzadeh fest, und seitdem weigern sich die Behörden, seiner Familie Auskunft über sein Schicksal und seinen Verbleib zu geben. Damit ist Amirhossein Ghaderzadeh Opfer des Verschwindenlassens. Diejenigen, die während der Proteste und in der Haft verletzt wurden, sind ebenfalls weiterhin gefährdet, da Folter und andere Misshandlungen bei der Niederschlagung von früheren Protesten gut dokumentiert sind. Amnesty International dokumentiert seit langem, dass die Sicherheitskräfte verletzten Demonstrant*innen routinemäßig eine angemessene medizinische Versorgung verweigern, auch solchen, die aus Krankenhäusern geholt werden, wodurch die Gefahr besteht, dass sie in der Haft getötet werden. Nach der tödlichen Niederschlagung der Proteste am 8. und 9. Januar wiesen die Sicherheitskräfte in Isfahan das medizinische Personal in den Krankenhäusern an, ihnen Patient*innen mit Schussverletzungen und anderen Verletzungen zu melden, die auf eine Beteiligung an den Protesten hindeuten könnten, so eine Quelle im Iran. Zwei weitere Quellen berichteten Amnesty International, dass Sicherheitskräfte in Isfahan und den Provinzen Chaharmahal und Bakhtiari verwundete Demonstrant*innen aus Krankenhäusern festnahmen, darunter auch solche, deren medizinische Versorgung lebensnotwendig war. Einer Quelle zufolge haben die iranischen Behörden auch willkürlich medizinisches Personal festgenommen, das verletzte Demonstrant*innen, die sich aus Angst vor einer Verhaftung nicht in Krankenhäusern behandeln ließen, außerhalb von Krankenhäusern medizinisch versorgt hat.
Die Proteste brachen am 28. Dezember 2025 nach einem drastischen Währungsverfall und chronischer staatlicher Misswirtschaft bei wichtigen Dienstleistungen und der Verschlechterung der Lebensbedingungen aus. Die Proteste begannen mit Ladenschließungen und Streiks auf dem Großen Basar in Teheran und entwickelten sich zu landesweiten Massendemonstrationen, bei denen der Sturz des Systems der Islamischen Republik gefordert wird. Die iranischen Behörden haben mit einer beispiellosen tödlichen Repression reagiert, bei der sie unter Einsatz einer landesweiten Internetsperre, die am 8. Januar 2026 verhängt wurde, um ihre Verbrechen zu verschleiern, massenhaft Menschen rechtswidrig töteten.
Amnesty International hat wiederholt festgestellt, dass Prozesse vor Revolutionsgerichten, die für Straftaten im Zusammenhang mit der nationalen Sicherheit zuständig sind, systematisch unfair sind, so auch beim Verhängen von Todesurteilen, denen willkürliche Hinrichtungen folgen. Amnesty hat über Jahrzehnte hinweg Hunderte von Fällen dokumentiert, in denen in Strafverfahren vor Revolutionsgerichten, die zu Haft- und Todesurteilen führten, das Recht auf ein faires Verfahren schwerwiegend verletzt wurde. Dazu gehören das Recht auf Zugang zu einem Rechtsbeistand in der Ermittlungsphase und auf einen Rechtsbeistand ihrer Wahl ab dem Zeitpunkt der Festnahme und während des gesamten Gerichts- und Berufungsverfahrens; das Recht auf Schutz vor Folter und anderen Misshandlungen; das Recht, nicht gezwungen zu werden, eine Person zu belasten oder ein Geständnis abzulegen; das Recht auf Unschuldsvermutung; das Recht, die Rechtmäßigkeit die Inhaftierung anzufechten; das Recht auf ein unabhängiges, zuständiges und unparteiisches Gericht und das Recht auf eine sinnvolle Überprüfung ihrer Fälle durch ein höheres Gericht. Seit den Protesten unter dem Motto "Frau, Leben, Freiheit" Ende 2022 machen die iranischen Behörden verstärkt von der Todesstrafe Gebrauch, um die Bevölkerung in Angst und Schrecken zu versetzen, Dissens zu unterdrücken und marginalisierte Gruppen zu bestrafen. Im Jahr 2025 fanden im Iran so viele Hinrichtungen statt wie seit Jahrzehnten nicht mehr.
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