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Der DFB hat die Haltung gegenüber Gianni Infantino verloren

Дата публикации: 03-08-2026 17:14:00

Der DFB galt einst als einer der schärfsten Kritiker von Fifa-Präsident Infantino. Doch aus dem Konfrontationskurs ist längst Vorsicht geworden. Eine Analyse.

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Der DFB galt einst als einer der schärfsten Kritiker von Fifa-Präsident Infantino. Doch aus dem Konfrontationskurs ist längst Vorsicht geworden. Eine Analyse.

  • Im Video oben: Infantino plante 30 Millionen Jahresgehalt für Anschlussjob

Manch einer mag es im Laufe der vergangenen Jahre vielleicht vergessen haben, aber der Deutsche Fußball-Bund (DFB) galt tatsächlich mal als einer der größten Kritiker Gianni Infantinos.

Als der Fifa-Präsident etwa im Vorfeld der Weltmeisterschaft in Katar 2022 ein Schreiben verschickte, in dem er die teilnehmenden Nationen dazu aufforderte, nicht zuzulassen, „dass der Fußball in jeden ideologischen oder politischen Kampf hineingezogen wird“, ignorierte Bernd Neuendorf diesen Wunsch.

Vielmehr sprach er kurz vor dem Turnier auf der Eröffnungspressekonferenz des DFB ausführlich die Missstände rund um das Turnier an. Etwa die fehlende Entschädigung für Familien der in Katar verstorbenen Wanderarbeiter, homofeindliche Aussagen des katarischen WM-Botschafters und die missliche Debatte um die One-Love-Binde.

Neuendorf begann als DFB-Präsident mit Rückgrat

Auch das fehlende deutliche Bekenntnis seitens der Fifa zu Menschenrechten kritisierte Neuendorf und kündigte an, die Wiederwahl Infantinos wenig später nicht zu unterstützen. Den Brief des Fifa-Präsidenten bezeichnete er als irritierend und verstörend.

Wenige Monate nach seinem Amtsantritt im März präsentierte sich Neuendorf als ein DFB-Präsident mit Rückgrat. Als einer, der nicht alles absegnet, nur um Vorteile für den eigenen Verband herauszuschlagen. Dieses Bild veränderte sich nach und nach, mittlerweile ist davon vergleichsweise wenig übrig geblieben.

„Wir wollen auf die Missstände aufmerksam machen. Dafür steht der DFB, dafür steht die Mannschaft“ Hansi Flick, ehemaliger Bundestrainer, vor der WM 2022 in Katar

Dass es nun Andreas Rettig ist, der in einem Interview mit dem „Stern“ die mutigsten Worte aller DFB-Funktionäre zu den jüngsten Investorenplänen Infantinos gefunden hat, ist bezeichnend. Denn der Geschäftsführer ist jemand, der den Verband in wenigen Monaten verlassen wird.

In Katar sparte man nicht mit Kritik an der Fifa

Um einordnen zu können, woher der DFB kommt, muss man das Rad bis vor die WM in Katar zurückdrehen. Im damaligen November lud der Verband Menschenrechtsvertreter zu den Nationalspielern ein, um über die humanitäre Lage in Katar aufzuklären.

Der damalige Trainer Hansi Flick versicherte später, sich nicht wegducken zu wollen. „Wir wollen auf die Missstände aufmerksam machen“, sagte Flick. „Dafür steht der DFB, dafür steht die Mannschaft.“ Kurzum: Der Wille zur Haltung war bei allen Beteiligten real.

Ein Moment kurz vor dem jüngsten Turnier in den USA, Mexiko und Kanada illustrierte die Abkehr davon vielleicht besser als jeder andere. Auf einer Pressekonferenz in Herzogenaurach sprach Sportdirektor Rudi Völler diesmal davon, Politik und Fußball klar zu trennen, also kein zweites Katar zulassen zu wollen.

Nicht mal die Verleihung des Fifa-Friedenspreises an Donald Trump fand der DFB verwerflich

Damit reagierte er auf die Meinung mancher in Deutschland, dass politische Themen den sportlichen Erfolg der Mannschaft verhindert hätten.

Für den DFB waren die Aussagen Völlers eine Lehre aus dem damaligen Konfrontationskurs Neuendorfs, der den Verband nach eigener Ansicht auch die Fußball-WM der Frauen 2027 gekostet haben soll. Diese findet nächstes Jahr in Brasilien und nicht in Deutschland statt.

Aus der Kritik wurde Kapitulation

Was folgte, kann man als so etwas wie eine Kapitulation sehen. Völler sortierte nach seinem Amtsantritt im Februar 2023 die Regenbogenbinde aus und erklärte das zur Normalität. Neuendorf schien fortan das Motto „Bloß nicht anecken“ zu verfolgen.

Nicht einmal die Verleihung eines Fifa-Friedenspreises an Donald Trump fand er öffentlich verwerflich. Die einstige Linie von Katar war nicht mehr zu erkennen. Vielmehr versuchte der DFB nun, das Verhältnis zur Fifa zu normalisieren. Was bedeutete: Infantino in Ruhe lassen.

Dabei mangelte es nicht an Anlässen zur Kritik: Angefangen bei der Aufblähung des WM-Formats bis hin zum Anruf Donald Trumps bei Infantino im Fall Folarin Balogun – ein Vorgang, der die Unabhängigkeit des Weltverbandes fundamental in Frage stellte.

„Die Uefa war die erste, die den Kopf aus der Deckung genommen hat“

Neuendorf reagierte zwar, aber eben sehr zurückhaltend. So bestand er nur darauf, dass dieser Vorgang „nicht zu den Akten gelegt werden darf“. Aber auch das erst, nachdem die Uefa ihre Empörung bereits formuliert hatte.

Als Infantino dann versuchte, WM-Anteile im Eiltempo an private Investoren zu verkaufen, war es erneut nicht der DFB, der zuerst scharfe Kritik übte. Es war die Uefa, die mit dem WM-Boykott drohte, bevor Infantino einknickte. „Die Uefa war die erste, die den Kopf aus der Deckung genommen hat. Es ist immer einfach, auf einen fahrenden Zug aufzuspringen. Aber irgendeiner muss eben auch vorne sitzen“, sagte Rettig im Interview mit dem „Stern“.

Der DFB sitzt nicht mehr vorne in kritischen Debatten

In den vergangenen Jahren ist mehr als deutlich geworden, dass der DFB lange nicht mehr vorne sitzt in kritischen Debatten, sondern nur noch Mitläufer ist. Ganz im Gegensatz zu kleineren Verbänden wie Norwegen, die sich verlässlich gegen die Ausfälle Infantinos stellen.

Rettig nannte das Vorgehen Infantinos beim Investorendeal nun „in höchstem Maße ungehörig“. Er sprach davon, dass der Vertrauensverlust zu Infantino „irreparabel“ sei und ließ durchblicken, dass er auf einen Wechsel an der Spitze hofft. Das sind Formulierungen, die man von einem Funktionär mit Zukunft beim DFB dieser Tage nicht erwarten kann.

Zwar verweigerte Neuendorf kürzlich die Unterschrift unter das Infantino-Unterstützungsschreiben für seine Wiederwahl 2027 und äußerte sich grundsätzlich wieder kritischer. Allerdings erst, als der Widerstand gegen Infantino von allen Seiten größer wurde. Das ist mehr als in den vergangenen Jahren – immerhin.

Von Charlotte Bruch

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