Gina H., die Stiefmutter des ermordeten Fabian aus Güstrow, äußert sich erstmals vor Gericht. Die Angeklagte teilt zahlreiche Details.
Was ist im Oktober 2025 in der Nähe eines kleinen Tümpels bei Klein Upahl, etwa 15 Kilometer südlich von Güstrow, wirklich passiert? Gina H. ist angeklagt, ihren achtjährigen Stiefsohn Fabian mit sechs Messerstichen brutal ermordet und seinen Leichnam anschließend in Brand gesetzt zu haben. An diesem Montag äußert sie sich erstmals vor Gericht – und teilt dabei Details zur toxischen Beziehung zu Fabians Vater, berichtet „RND“.

„Treu, loyal und leider auch sehr einnehmend“, beschreibt die Angeklagte ihr Verhalten in Beziehungen. Bei kleinsten Abweichungen könne sie „innerhalb der Beziehungen zum Raubtier“ werden, sagt die Angeklagte. Leise und mit zittriger Stimme liest sie weiter aus einem rosafarbenen Ordner vor.
In der Beziehung mit Fabians Vater sei es mehrfach zu Gewaltausbrüchen gekommen. Einmal habe er ihr den Ellbogen angebrochen. In einem anderen Fall habe er ihr die Rippen gequetscht. Fabian, so Gina H., hätte dies beobachtet und anschließend keinen Respekt mehr vor seinem Vater gehabt. „Er nannte ihn nicht mehr Papi“, erzählt sie.
Die Aussagen von Gina H. zu Beginn ihrer Einlassung weichen von der Darstellung des Vaters ab, der angegeben hatte, dass es keine Gewalt gegeben habe. Sie erzählt außerdem, dass sie vier Monate nach dem Kennenlernen von Matthias R. schwanger gewesen sei. Doch beide hätten sich für eine Abtreibung entschieden.
Immer wieder kämpft Gina H. mit den Tränen und räumt fehlende Empathie gegenüber ihrem Ex‑Freund ein. Nach dem Tod dessen Vaters sei sie aufgrund des Todes ihres Lieblingspferdes zu sehr mit sich selbst beschäftigt gewesen. Aus heutiger Sicht wisse sie, dass ihr in solchen Momenten die Empathie fehle.
Gina H. bestreitet finanzielle Abhängigkeit von Fabians VaterEine finanzielle Abhängigkeit von Fabians Vater weist sie zurück. Er habe sie zwar unterstützt, was auch „entlastend“ gewesen sei, doch von ihrer Rente hätte sie gut leben können. Die Pacht für die Koppeln würden ihre Großeltern zahlen, die 300 Euro pro Monat für das Tierfutter könne sie sich selbst leisten. Vor Gericht räumt sie ein, bei einem früheren Arbeitgeber einen Sattel gestohlen zu haben. Deshalb sei sie „völlig zu Recht“ gefeuert worden.
Die Angeklagte äußerte sich auch zu den gefundenen Blutspuren in ihrem Auto. Diese seien dort gefunden worden, nachdem sich Fabian bei einem Badeausflug im Sommer verletzt habe und ein Pflaster wollte. Das Blut habe sie mit einem Küchenpapier abgetupft. „Das hat die Polizei später in meinem Auto gefunden“, so Gina H.
Prozess am Landgericht Rostock: Fabians Stiefmutter spricht über eigene KindheitAnschließend erzählt sie von ihrer Kindheit und der schwierigen Beziehung zu ihrer Mutter, die ihr keine Liebe gezeigt, aber ihre Tochter geschlagen habe. Sie wisse, dass ihre Mutter „auch während der Schwangerschaft mit mir Drogen genommen hat“, zitiert „RND“ Gina H. vor Gericht. Mit acht Jahren sei sie zusammen mit ihrer Schwester in die Obhut ihrer Großeltern gekommen.
„Besser in der Schule und hübscher“, erklärt Gina H. den Neid, den sie schon immer für ihre Schwester empfand. Diese habe wieder Kontakt zu ihrer Mutter, weshalb sie beide nie wieder sehen wolle.
Sie beschreibt sich selbst als „misstrauisch“ und „eifersüchtig“. Bei ihr sei seit der Kindheit vieles schiefgelaufen, Angststörungen habe sie entwickelt. Doch die Behörden würden an ihren Krankheiten zweifeln. Sie fühle sich selbst ungerecht behandelt und sehe sich als ein „Bauernopfer“ im laufenden Prozess.