Um bis 2045 klimaneutral zu werden, arbeiten die Gemeinden Bous, Ensdorf und Schwalbach bei der kommunalen Wärmeplanung zusammen. Ein erster Zwischenbericht zeigt nun auf, welche Wärmequellen für ein nachhaltiges Heizen vor Ort verwendet werden könnten – und welche nicht.
Bous/Ensdorf/Schwalbach · Um bis 2045 klimaneutral zu werden, arbeiten die Gemeinden Bous, Ensdorf und Schwalbach bei der kommunalen Wärmeplanung zusammen. Ein erster Zwischenbericht zeigt nun auf, welche Wärmequellen für ein nachhaltiges Heizen vor Ort verwendet werden könnten – und welche nicht.
Zusammen mit Bous und Ensdorf arbeitet die Gemeinde Schwalbach an einer gemeinsamen Wärmeplanung. Erste Zwischenergebnisse hierzu wurden vor kurzem jetzt vorgestellt.
Foto: RuppenthalDie saarländischen Kommunen stehen derzeit vor einer Mammutaufgabe: Bis Ende 2028 müssen sie eine sogenannte Kommunale Wärmeplanung (KWP) vorlegen. Die Landeshauptstadt Saarbrücken hat dafür sogar nur noch dieses Jahr Zeit. Bei der KWP handelt es sich vereinfacht gesagt um ein strategisches Planungsinstrument, das die Städte und Gemeinden dabei unterstützen soll, ihre örtliche Wärmeversorgung so weit wie möglich auf eine klimafreundlichere und nachhaltige Basis umzustellen. Als eine der wenigen Kommunen im Saarland wollen die Gemeinden Bous, Ensdorf und Schwalbach die örtliche Wärmewende zusammen angehen. Und auch wenn dazu eigentlich noch genug Zeit vorhanden ist, haben die drei Gemeinden bereits erste große Schritte gemacht – und vor Kurzem einen ersten Zwischenstand zu ihrer gemeinsamen KWP präsentiert.
Zwischenbericht zur Kommunalen Wärmeplanung zeigt große Abhängigkeit von Öl und Gas in Bous, Ensdorf und Schwalbach
Demnach ist die notwendige Datenerhebung sowie die Bestands- und Potenzialanalyse bereits abgeschlossen. Das Ausgangsbild, welches die mit der Erstellung der KWP beauftragte TÜV Rheinland Consulting GmbH in ihren Zwischenberichten für die drei Kommunen zeichnet, ist zunächst jedoch ernüchternd. Nicht nur sind die drei Gemeinden beim Thema Heizen bisher überwiegend von fossilen Brennstoffen abhängig – in Bous und Schwalbach machen diese sogar gut 95 Prozent aus – auch die Gebäude selbst befinden sich häufig in einem energetisch sanierungsbedürftigen Zustand.
So sind sowohl in Bous, Ensdorf als auch in Schwalbach mehr als die Hälfte der Gebäude vor 1979 gebaut und damit in einer Zeit, in der die Wärmeschutzverordnung noch nicht galt. Die gesetzliche Regelung, die mittlerweile in das heutige Gebäudeenergiegesetz aufgegangen ist, schrieb Gebäudeeigentümern erstmals bauliche Maßnahmen zur Reduzierung des Energieverbrauchs, wie etwa eine Dämmung, vor.
Private Haushalte für Großteil der durchs Heizen verursachten Emissionen verantwortlich
Gleichzeitig sorgen die privaten Haushalte für rund dreiviertel der jährlich durch das Heizen verursachten Treibhausgasemissionen. So emittierten beispielsweise Privatwohnungen in Schwalbach zuletzt fast 30 000 Tonnen an CO2-Äquivalenten. In Ensdorf und Bous waren es laut dem Zwischenbericht von TÜV Rheinland immerhin noch um die 10 000 Tonnen pro Jahr.
Die Chancen, dass Bous, Ensdorf und Schwalbach ihr großes Ziel, klimaneutral bis 2045 zu werden, tatsächlich bei der eigenen Wärmeversorgung erreichen, sind derweil gar nicht mal so schlecht. Denn wie in den jeweiligen Zwischenberichten zur KWP hervorgeht, verfügen alle drei Gemeinden „über ausreichend Erzeugungs- und Einsparpotenziale, um eine klimaneutrale Wärmeversorgung bis 2045 zu erreichen“. So könne durch eine „ambitionierte Sanierungsrate“ der künftige Wärmebedarf entsprechend verringert werden. Gleichzeitig seien potenzielle Quellen für eine klimafreundlichere Wärmeversorgung „flächendeckend“ vorhanden, wie es heißt.
Welche nachhaltigen Wärmequellen eine Rolle spielen könnten
So könnte in der Gemeinde Ensdorf beispielsweise Grubenwasser – welches nach aktuellen Plänen der RAG künftig hier auch zentral gehoben und in die Saar abgeleitet werden soll – „einen relevanten Beitrag zur regenerativen Wärmebereitstellung leisten“. Denn dieses hat je nach Tiefe eine Temperatur von über 30 Grad Celsius und könnte damit für den Betrieb von Wärmetauschern und den Anschluss an ein Wärmenetz verwendet werden.
Gleichzeitig stellt auch die Saar selbst eine mögliche Wärmequelle dar, die zumindest für Bous und Ensdorf von Bedeutung sein könnten. In diesem Zusammenhang ergebe sich durch das ehemalige Kraftwerksgelände bei Ensdorf zudem „eine besondere Chance“. Denn dieses stelle wegen seiner bereits vorhanden Flächen, den dortigen wasserbaulichen Strukturen und Netzanschlüssen sowie seiner Nähe zur Fernwärmeschiene Saar „einen potenziell geeigneten Brownfield-Standort dar“.
Sowohl in Bous und Ensdorf als auch in Schwalbach bestünden laut den KWP-Zwischenberichten darüber hinaus gute Voraussetzungen für den Einsatz von dezentralen Wärmepumpen sowie ein „beträchtliches Potenzial“ für den Einsatz von Solarthermie beziehungsweise Photovoltaik. Alleine hierüber könnte die Gemeinde Schwalbach in der Theorie ihren jährlichen Wärmebedarf von etwa 145 Gigawattstunden pro Jahr deutlich abdecken. Biomasse, Abwasser und oberflächennahe Geothermie dürften in der Praxis demnach nur eine untergeordnete Rolle spielen.
Grüner Wasserstoff kaum für künftiges Heizen von Bedeutung
Kaum eine Bedeutung bei der künftigen Wärmeversorgung spielt laut TÜV Rheinland hingegen das Thema Wasserstoff. So sei die Verfügbarkeit von grünem Wasserstoff „auf absehbare Zeit begrenzt“ und würde vorrangig in schwer elektrifizierbaren Sektoren wie der saarländischen Stahlindustrie benötigt. Zeitgleich bestünden „erhebliche Unsicherheiten hinsichtlich Infrastruktur, Zeitplan und Kosten einer Umstellung bestehender Erdgasverteilnetze“ auf Wasserstoff.
Viele Fragen zur Wärmewende in Bous, Ensdorf und Schwalbach sind aktuell zwar noch offen. Mit einer entsprechenden Umsetzungsstrategie sollen jedoch nun konkrete Maßnahmen und Zeitpläne für deren Gelingen definiert werden. Diese wollen die drei Gemeinden zusammen mit dem finalen Entwurf der gemeinsamen KWP noch in diesem Sommer unter anderem in mehreren Bürgerinformationsveranstaltungen vorstellen.