Die meisten Bauherren verhandeln zu wenig. Dabei lässt sich an drei Stellen besonders viel sparen, wenn man die richtigen Punkte anspricht.
Die meisten Bauherren verhandeln zu wenig. Dabei lässt sich an drei Stellen besonders viel sparen, wenn man die richtigen Punkte anspricht.
Wer die Regeln kennt, holt aus jedem Vertrag mehrere zehntausend Euro heraus – oft, ohne den Preis um einen einzigen Euro zu drücken.
Der häufigste Fehler beim Bauträger ist auch der naheliegendste: Käufer fordern Rabatt auf den Kaufpreis. 4 Prozent auf 500.000 Euro – 20.000 Euro. Genau diese 20.000 Euro gehen aber direkt vom Gewinn des Bauträgers ab. Deshalb mauert er hier, und deshalb scheitern viele Verhandlungen ausgerechnet beim Preis.
Tobias Beuler ist Bausachverständiger, mehrfacher Spiegel-Bestseller-Autor („Bau keinen Scheiß“) und YouTube-Host. Er ist Teil unseres Expertennetzwerks EXPERTS Circle.
Viel klüger ist es, in Naturalien zu verhandeln. Ein Beispiel: Der Bauträger bietet eine besondere Treppe als Sonderausstattung an, einläufig, mit eingespannten Glasgeländern, ein echtes Designobjekt – Listenpreis 20.000 Euro. Wer diese Treppe ohnehin wollte, verhandelt sie statt eines Preisnachlasses.
Warum das funktioniert: Der Bauträger kauft diese Treppe vielleicht für 5000 Euro ein, der Einbau kostet ihn weitere 3000 bis 4000 Euro. Seine echte Belastung liegt also bei rund 10.000 Euro – nicht bei 20.000. Wenn er die Treppe gratis mitliefert, verliert er real 10.000 Euro. Für Sie aber zählt der volle Listenwert von 20.000 Euro, weil Sie sie sonst eben bezahlt hätten. Beide Seiten kommen mit einem guten Ergebnis aus dem Gespräch – und Sie holen unterm Strich mehr heraus als bei einem Preisrabatt, der sowieso nie bewilligt worden wäre.
Dasselbe Prinzip funktioniert mit fast jeder Sonderwunsch-Position: Bad-Bemusterung, Böden, Türen, Beleuchtung. Wer früh fragt und in Naturalien denkt, verhandelt auf dem Spielfeld, das der Bauträger eher betritt.
Konkurrierende Angebote bringen oft Zehntelprozente beim Zins – auf 30 Jahre eine fünfstellige Summe. Der eigentliche Profi-Tipp ist aber ein anderer: Verhandeln Sie schon heute die Konditionen für eine mögliche Nachfinanzierung mit. Der Hintergrund ist banktechnisch wichtig. Die Bank, die als Erste ein Haus finanziert, steht im Grundbuch an erster Stelle. Geht etwas schief – Insolvenz des Bauträgers, Zahlungsausfall, Notverkauf – wird sie vorrangig bedient. Jede zweite Bank, die später als Nachfinanzierer ins Grundbuch eingetragen würde, steht hinten an. Genau deshalb verlangen Nachfinanzierer drastische Zinsaufschläge.
Die Erstbank weiß das natürlich auch. Wer in der Notsituation kommt – „ich brauche jetzt 40.000 Euro mehr, weil das Dach schlechter war als gedacht" – bekommt selten faire Konditionen. Wer dieselbe Option dagegen schon beim Erstabschluss mitverhandelt, sichert sich planbare Zinsen für den Fall der Fälle. Braucht man die Nachfinanzierung am Ende nicht, schadet es nichts. Braucht man sie doch, spart sie schnell einen mittleren vierstelligen Betrag.
Die teuersten Fehler entstehen vor dem Auftrag, nicht danach. Drei Punkte machen den Unterschied: Erstens mindestens drei vergleichbare Angebote auf Basis eines identischen Leistungsverzeichnisses – „Komplettpaket Bad" auf der einen Seite, einzelne Positionen auf der anderen, das ist nicht vergleichbar. Zweitens ein harter Blick auf Stundensätze und die branchenüblichen 20 bis 30 Prozent Materialaufschlag. Drittens: Abschlagszahlungen nach Gewerkfortschritt, nie Vorkasse, fünf Prozent Sicherheitseinbehalt bis zur Abnahme.
Eine Variante, die man kennen sollte: Material selbst beistellen. Wer Fliesen, Sanitärobjekte oder Böden selbst einkauft, umgeht den Materialaufschlag komplett – auf etwas, das der Handwerker nicht verkauft, kann er auch nichts aufschlagen. Eine legitime Sparmöglichkeit, die aber zwei Schattenseiten hat. Erstens verdient der Handwerker an Ihrem Auftrag weniger und stellt Sie bei vollen Büchern womöglich hinter besser zahlende Kunden. Zweitens wächst die Versuchung, die Arbeitszeit zu strecken, um den entgangenen Materialgewinn auszugleichen. Wer Material selbst stellt, sollte das offen ansprechen, einen verbindlichen Zeitplan vereinbaren – und mit einem Handwerker arbeiten, dem er vertraut.
Sparen beim Bauen und Kaufen ist selten eine Frage des Glücks, sondern eine Frage der Methode. Wer beim Bauträger in Naturalien denkt, bei der Bank schon heute an morgen verhandelt und bei Handwerkern auf vergleichbare Angebote besteht, kommt am Ende mit fünfstelligen Vorteilen aus dem Prozess. Geld, das sonst lautlos in fremde Bilanzen wandert – und das viel schöner im eigenen Pool plätschert, in der Traumküche brutzelt oder im Designsofa des neuen Wohnzimmers liegt.
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