Nach emotionaler Debatte hat der Oberkochener Gemeinderat das Zukunftsforum beschlossen. Der Baubeschluss fiel relativ knapp aus. Wer dafür oder dagegen stimmte.
Stand: 28.07.2026, 16:04 Uhr
Von: Tina Nusshör

Nach emotionaler Debatte hat der Oberkochener Gemeinderat das Zukunftsforum beschlossen. Der Baubeschluss fiel relativ knapp aus. Wer dafür oder dagegen stimmte.
Oberkochen. Bürgermeister Marcel Winter wirkt nach der Gemeinderatssitzung am Montagabend (27.7.) erleichtert. Fast vier Stunden lang hatte das Gremium über das wohl umstrittenste Projekt der vergangenen Jahre diskutiert. Kurz nach der Entscheidung sagt Winter im Anschluss an die Sitzung: „Ich bin erleichtert. Das hätte auch anders ausgehen können.“
Gemeint ist der Baubeschluss für das Zukunftsforum Oberkochen. Das Wissens- und Transferzentrum für Holzbau, Bioökonomie, Green Tech und ökologische Intelligenz soll auf dem Gelände des bisherigen Feuerwehrhauses in der Dreißentalstraße entstehen. Nach einer emotionalen Debatte stimmte der Gemeinderat dem Projekt mit 11:8-Stimmen zu. Zuvor war ein AfD-Antrag auf einen Bürgerentscheid mit 11:7 Stimmen bei einer Enthaltung abgelehnt worden.

Schon vor Beginn der eigentlichen Debatte war klar, dass der Abend kein gewöhnlicher werden würde. Der Sitzungssaal war bis auf den letzten Platz gefüllt. In der Bürgerfragestunde drehten sich fast alle Wortmeldungen um das Zukunftsforum. Bürger wollten wissen, wer das Gebäude später nutzen soll, welchen konkreten Mehrwert es für Oberkochen bringt und ob die hohen Investitionen gerechtfertigt sind. Als eine Bürgerin beantragte, den Tagesordnungspunkt "Baubeschluss Zukunftsforum" vorzuziehen, lehnte Winter dies ab. Im Verlauf des Abends verließen einige Zuhörer aus Protest den Saal.
21,7 Millionen Euro für das ZukunftsforumMit dem Baubeschluss hat das Gremium den Weg für ein Projekt frei gemacht, das nach aktueller Berechnung rund 21,7 Millionen Euro kosten wird. Landrat Dr. Joachim Bläse verwies in der Sitzung darauf, dass der schriftliche Förderbescheid inzwischen vorliege. Damit seien die Fördermittel in Höhe von rund 7,5 Millionen Euro gesichert. Dennoch bleibt für die Stadt eine Millionen-Investition.
Genau hier setzte die Kritik an. AfD und Freie Bürger Oberkochen (FBO) stellten den Nutzen des Projekts infrage. FBO-Sprecher Peter Beck bezeichnete das Nutzungskonzept als „eierlegende Wollmilchsau“. AfD-Fraktionssprecherin Susanne Mützel warb für einen Bürgerentscheid und argumentierte, die Bevölkerung müsse selbst über ein Projekt dieser Größenordnung entscheiden können.

Lesen Sie hier: Kommentar zum Zukunftsforum
Die Befürworter aus CDU, SPD und Grünen hielten dagegen. SPD-Fraktionschef Ulrich Marstaller sprach von einer Investition in die Zukunft. Grünen-Sprecherin Dorothee Schaub betonte, Oberkochen könne sich das Projekt leisten, ohne andere wichtige Aufgaben zu vernachlässigen. CDU-Fraktionschef Rainer Kaufmann warb dafür, die Chancen des Projekts zu nutzen.
Besonders deutlich formulierte es Julius Siebert (SPD): „Wir in Oberkochen dürfen nie dick, behäbig und faul werden.“ Für die Befürworter steht das Zukunftsforum deshalb vor allem für die Frage, wie sich Oberkochen als Wirtschafts- und Innovationsstandort langfristig weiterentwickeln kann.
Ein Ort für Innovation und BegegnungEin zentraler Kritikpunkt der vergangenen Monate war die Frage, wofür das Zukunftsforum überhaupt gebraucht wird. Winter stellte deshalb ausführlich das Betriebs- und Nutzungskonzept vor. Dabei nutzte er die Methode der sogenannten Customer Journey, die beschreibt, wie unterschiedliche Nutzer ein Angebot erleben.

Das Zukunftsforum soll Unternehmen, Handwerk, Schulen, Forschungseinrichtungen und interessierte Bürger zusammenbringen. Geplant sind Projekt- und Arbeitsflächen, Werkstätten, Ausstellungsbereiche, Veranstaltungsräume und sogenannte Makerspaces. Ziel sei es, Innovationen sichtbar zu machen, Wissen zu vermitteln und neue Kooperationen anzustoßen.
Damit liegt nun erstmals ein deutlich konkreteres Nutzungskonzept vor als noch vor einem Jahr. Gleichzeitig bleiben Fragen offen: Welche Partner sich langfristig beteiligen, wie hoch die tatsächliche Auslastung sein wird und ob sich die erwarteten Einnahmen realisieren lassen, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen. Die Mehrheit des Gemeinderats sieht im Zukunftsforum dennoch eine Chance für den Standort Oberkochen – die Minderheit hält die finanziellen Risiken weiterhin für zu hoch.
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