Kurz vor dem Baubeschluss am 27. Juli wird das Zukunftsforum Oberkochen erneut kontrovers diskutiert. Kosten von 21,7 Millionen Euro, ein geplanter Bürgerentscheid und große Hoffnungen auf Innovationen prägen die Debatte.
Stand: 26.07.2026, 18:14 Uhr
Von: Tina Nusshör, Constantin Blaß

Kurz vor dem Baubeschluss am 27. Juli wird das Zukunftsforum Oberkochen erneut kontrovers diskutiert. Kosten von 21,7 Millionen Euro, ein geplanter Bürgerentscheid und große Hoffnungen auf Innovationen prägen die Debatte.
Oberkochen. Das Zukunftsforum Oberkochen steht vor einer entscheidenden Weichenstellung. Am Montag, 27. Juli, soll der Gemeinderat den Baubeschluss für das umstrittene Projekt fassen. Die Diskussionen um Kosten, Nutzen und Partner reißen derweil nicht ab. Die wichtigsten Fakten im Überblick.
1. Noch mehr Details zum Zukunftsforum werden vorgestelltDer Gemeinderat soll am Montag den Baubeschluss für das Zukunftsforum Oberkochen fassen. Vorgestellt werden dabei das Betriebs- und Nutzungskonzept, die aktuelle Entwurfsplanung sowie die Rolle des Projekts im Technologie- und Innovationsprofil des Ostalbkreises.
2. Das Zukunftsforum soll mehr sein als ein GebäudeGeplant ist ein Wissens- und Transferzentrum, das Unternehmen, Wissenschaft, Handwerk und Bildungseinrichtungen zusammenbringen soll. Im Mittelpunkt stehen die Themen nachhaltiger Holzbau, Bioökonomie, Green Tech und ökologische Intelligenz.
3. Das Projekt kostet inzwischen rund 21,7 Millionen EuroDie aktuelle Kostenberechnung geht von einem Investitionsvolumen von rund 21,7 Millionen Euro aus. Zu Beginn der Planungen lag die Schätzung noch bei etwa 16 Millionen Euro. Ein Grund für die Steigerung ist bewusste Entscheidung für eine Erweiterung um ein Untergeschoss für Technik- und Lagerräume.
4. Millionenförderung reduziert den EigenanteilFür das Projekt erhält die Kommune Fördermittel aus dem Wettbewerb „RegioWin 2023“. Bürgermeister Marcel Winter, der großes Potenzial beim Zukunftsforum Oberkochen sieht, rechnet mit 7,5 Millionen Euro. Bisher gab es eine mündliche Zusage, wie Winter im Juni erklärte. Weitere Förderungen bis zu einer Million seien noch möglich. Circa 14 Millionen Euro muss die Stadt Oberkochen selbst tragen.
5. Eröffnung soll im Frühjahr 2029 seinNach den aktuellen Planungen könnte der Spatenstich Anfang April 2027 erfolgen. Die Inbetriebnahme des Zukunftsforums ist für den 26. April 2029 vorgesehen. Bis Juni 2029 muss das Projekt für die Fördermittelabrechnung abgeschlossen sein.
6. Das Gebäude soll weltweit beachtete Holzbau-Technik zeigenDas Zukunftsforum wird nicht nur in Holzbauweise errichtet, sondern soll selbst als wissenschaftliches Demonstrationsprojekt dienen. Gemeinsam mit der Universität Stuttgart soll die sogenannte „Universal Timber Slab“ eingesetzt werden – eine neuartige Deckenkonstruktion, die als Alternative zum klassischen Stahlbetonbau gilt.
7. Ein Förderverein wurde bereits gegründetSeit Mitte Juli gibt es den Förderverein Zukunftsforum Oberkochen. Vorsitzende sind Oberkochens Bürgermeister Marcel Winter und Landrat Dr. Joachim Bläse. Der Verein soll das Projekt begleiten und zusätzliche Unterstützer gewinnen.
8. Die Nutzung soll von Start-ups bis Forschung reichenNach den bisherigen Vorstellungen sollen im Zukunftsforum Arbeitsplätze für Forschungs- und Projektgruppen entstehen. Geplant sind außerdem Angebote für Start-ups, Weiterbildungen, Vorträge, Veranstaltungen und Netzwerktreffen. Auch Räume für Prototyping und Innovationsprojekte sind vorgesehen.
9. Die Kritik ist weiterhin deutlichDer ehemalige Zeiss-Vorstand Prof. Dr. Dr. h. c. Michael Kaschke bezeichnet das Zukunftsforum seit Monaten als „politisches Prestigeobjekt“ und „Steuergeldverschwendung“. Kritiker bemängeln unter anderem die hohen Kosten, offene Fragen zur Auslastung und den fehlenden Nachweis eines konkreten Nutzens. Auch die Fraktionen von AfD und Freien Bürgern Oberkochen (FBO) lehnen das Projekt ab.
10. Befürworter sehen ein Leuchtturmprojekt für die RegionCDU, SPD und Grüne im Gemeinderat stehen hinter dem Vorhaben. Sie sehen darin eine Investition in Zukunftstechnologien und die Wettbewerbsfähigkeit der Region. Oberkochen sei in der glücklichen Lage, mit den Einnahmen Neues zu schaffen, ohne andere Investitionen zu vernachlässigen. Das Zukunftsforum Oberkochen würde niemandem schaden, stattdessen entzünde die Stadt Oberkochen im positiven Sinne "ein Leuchtfeuer". Bürgermeister Marcel Winter und Landrat Joachim Bläse erhoffen sich Impulse für neue Geschäftsmodelle, nachhaltiges Wirtschaften und die Vernetzung von Unternehmen und Forschungseinrichtungen im gesamten Ostalbkreis.
11. Diskussionen um Bürgerentscheid zum ZukunftsforumZusätzliche Brisanz erhält die Sitzung des Gemeinderats durch einen Antrag der AfD-Fraktion auf Durchführung eines Bürgerentscheids. Die Partei argumentiert, die Bevölkerung solle angesichts der "hohen Investitionssumme" und der "Zweifel am Nutzen und der Zielrichtung des Projekts" selbst über das Zukunftsforum entscheiden. Nach der Gemeindeordnung Baden-Württemberg müsste der Gemeinderat mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit aller Mitglieder beschließen, die Entscheidung an die Bürgerschaft zu übertragen. Dass der Antrag der AfD eine Mehrheit findet, ist angesichts der Mehrheitsverhältnisse im Rat pro Zukunftsforum nicht zu erwarten, dennoch ist nicht ausgeschlossen, dass es intensive Diskussionen dazu gibt.
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