Die meisten kennen Oberkochen als Wirtschaftsstandort. Bürgermeister Marcel Winter zeigt, warum die Stadt auch als Wohnort punktet.
Stand: 05.07.2026, 17:00 Uhr
Von: Tina Nusshör

Die meisten kennen Oberkochen als Wirtschaftsstandort. Bürgermeister Marcel Winter zeigt, warum die Stadt auch als Wohnort punktet.
Oberkochen. Marcel Winter steht am Langertsteins und blickt über seine Stadt. Unter ihm liegen Wohnhäuser, die markanten Gebäude der Industrie sowie die Dächer der Innenstadt. Doch eines fällt sofort ins Auge: Grün. Wald zieht sich rund um den Ort, gegenüber erhebt sich der Volkmarsberg, daneben der Rodstein.
„Wir sind eine Stadt, die mitten in der Natur gelegen ist“, sagt der Oberkochener Bürgermeister. Die Stadt mit knapp 8000 Einwohnern zählt zu den wirtschaftlich stärksten Standorten der Region. Gleichzeitig beginnt nur wenige Schritte vor der Haustür das Wanderwegenetz der Ostalb. Genau diese Mischung macht Oberkochen als Wohnort besonders.

Wer in Oberkochen lebt, findet viele Freizeitmöglichkeiten. Das Kocherbad, Mountbiketrails und im Winter locken Loipen. Zwei bewirtete Hütten des Albvereins und des Skiclubs sind beliebte Ausflugsziele. „Wir haben auch viele schöne Spielplätze hier“, sagt Winter.
Besonders am Herzen liegt ihm der Spielplatz im Primelweg. Dort treffen sich nicht nur Familien. Rund um den Platz befinden sich Seniorenwohnungen sowie die neue Tagespflege der Sozialstation St. Martin. Der Spielplatz ist damit ein Treffpunkt für verschiedene Generationen.
Überall kurze Wege in Oberkochen?Überhaupt setzt Oberkochen auf kurze Wege. Kindergärten, Grundschule, Gemeinschaftsschule und Gymnasium befinden sich direkt vor Ort. Auch Betreuungsangebote sind vorhanden. Supermärkte, Ärzte und Apotheken liegen ebenfalls direkt in der Stadt. Hinzu kommt: Rund 80 Vereine prägen das gesellschaftliche Leben – von Musikverein und Narrenzunft über Sportvereine. „Das Vereinsleben sorgt dafür, dass man in Oberkochen schnell Anschluss findet“, sagt Winter.
Im Teilort Heide sind die Wege allerdings etwas länger: Es gibt zwar einen Kindergarten, aber längst keinen Laden mehr. Für viele Besorgungen führt der Weg rund zwei bis vier Kilometer in die Oberkochener Innenstadt. Auto und Bus spielen hier eine deutlich größere Rolle als in der Kernstadt.
Jeder Quadratmeter zähltSo attraktiv Oberkochen als Wohnort ist, so begrenzt sind die Möglichkeiten zu wachsen. „In Oberkochen ist Platz ein kostbares Gut“, sagt Winter. Die Stadt liegt wie in einem Kessel. Langertstein, Rodstein und der Volkmarsberg begrenzen die Ausdehnungsmöglichkeiten.

Deshalb setzt die Stadt auf Nachverdichtung. „Wir schauen, dass wir jeden Quadratmeter sinnvoll nutzen.“ Auf dem Bergheimgelände sollen Mehrfamilienhäuser gebaut werden. Dort, wo zuletzt die Sonnenbergschule untergebracht war, plant die Stadt zusätzlichen Wohnraum.
Leben, wo andere arbeitenViele Menschen verbinden Oberkochen vor allem mit seinen großen Unternehmen. Zeiss, Hensoldt und Leitz prägen die Stadt weit über die Region hinaus. Tausende kommen täglich zum Arbeiten nach Oberkochen. Wie viele davon auch hier wohnen, lässt sich schwer beziffern: „Das ist nur ein Bruchteil der Menschen, die bei den Konzernen arbeiten“, sagt Winter. Der Großteil der Beschäftigten pendelt täglich in die Stadt.
Mit den Arbeitsplätzen kommt auch der Verkehr. Die Ortsumfahrung der B 19 hält den Durchgangsverkehr seit vielen Jahren aus der Innenstadt heraus. Dennoch stoßen wichtige Verkehrsachsen zunehmend an ihre Grenzen. Besonders die Südrampe, die Kochertalbrücke und die Kreisstraßen sind stark belastet.
Verkehr als große Herausforderung„Viele Verkehrswege müssen nach den Jahren nun ertüchtigt werden“, sagt Winter. Die Stadt arbeitet deshalb an Lösungen für einen besseren Verkehrsfluss. Geplant sind unter anderem Maßnahmen zur Beschleunigung des Busverkehrs. Denn obwohl Werksshuttlebusse zwischen Bahnhof und den großen Arbeitgebern verkehren, reisen viele Beschäftigte weiterhin mit dem Auto an. Die eingleisige Bahnstrecke bleibt ein Problem: „Der Schienenverkehr ist nicht zuverlässig genug“, sagt Winter.
Hinzu kommt die Zukunft der Kochertalbrücke, einer der wichtigsten Verkehrsadern der Region. Das mehr als 60 Jahre alte Bauwerk muss in den kommenden Jahren ersetzt werden. Welche Auswirkungen dies auf Pendler, Unternehmen und die Stadt haben wird, beschäftigt Oberkochen schon heute.
Die neue MitteWährend am Stadtrand über Wohnraum diskutiert wird, verändert sich auch das Zentrum. Rund um die katholische Kirche ist in den vergangenen Jahren eine neue Mitte entstanden. Wasserspiel, Aufenthaltsflächen und Cafés schaffen Begegnungsorte. „Eine Innenstadt lebt davon, dass Menschen gerne dort Zeit verbringen“, sagt Winter.
Die Entwicklung soll weitergehen. Mit den Traditionsgasthäusern „Ochsen“ und „Lamm“ stehen zwei prägende Gebäude im Mittelpunkt umfangreicher Investitionen. Beide Häuser werden grundlegend erneuert und sollen künftig wieder Gastronomie, Begegnung und Leben in die Innenstadt bringen.

Zurück am Langertstein. Von hier oben wirken die Herausforderungen der Stadt weit entfernt. Die Dächer der Häuser verschwinden zwischen Bäumen. Nur wenige Kilometer entfernt entstehen Technologien für den Weltmarkt. „Genau diese Verbindung aus Natur, Gemeinschaft und guten Arbeitsplätzen macht Oberkochen für viele Menschen attraktiv“, sagt Winter. Oberkochen lebt von diesem Spannungsfeld. Und von dem Anspruch, trotz Wachstum und begrenzter Fläche ein lebenswerter Wohnort zu bleiben.
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