Das "Zukunftsforum Oberkochen" hat einen weiteren Schritt genommen. Bürgermeister Marcel Winter gab neue Details preis – und ein Förderverein wurde gegründet.
Stand: 15.07.2026, 20:49 Uhr
Von: Constantin Blaß

Das "Zukunftsforum Oberkochen" hat einen weiteren Schritt genommen. Bürgermeister Marcel Winter gab neue Details preis – und ein Förderverein wurde gegründet.
Aalen/Oberkochen. Landrat Dr. Joachim Bläse ist ein cleverer Mann. Als er zur Informationsveranstaltung „Zukunftsforum Oberkochen“ am Dienstag (14.7., hier im Ticker zum Nachlesen) im Landratsamt zu spät kam, ließ er seinen Charme spielen. Der 58-Jährige sprach von einem „Glücksfall, dass wir heute über das Zukunftsforum sprechen können“. Losgelöst von Folien baute er in seine 30-minütige Einführungsrede – die Präsentationstechnik im Großen Sitzungssaal funktionierte zeitweise nicht – zahlreiche Namen der Anwesenden mit ein. Ein Weg, Menschen für sich zu gewinnen, sie wirkungsvoll einzubeziehen.
Lesen Sie hier: Fragen und Antworten zum "Zukunftsforum Oberkochen"
Dazu sei erwähnt, dass es natürlich kein Glücksfall ist, wenn das Landratsamt zu einer Informationsveranstaltung einlädt. Die Zusammenkunft der am Zukunftsforum Oberkochen Interessierten war geplant. Ungeplant, dass es nur gut 50 Personen waren. Taktisch wiederum waren Format und Zeitpunkt klug gewählt. Denn knapp zwei Wochen vor der nächsten Sitzung des Stadtrats in Oberkochen am 27. Juli konnte der Landrat demonstrieren, dass er klarer Befürworter des 21,5-Millionen-Euro-Projekts ist – und es ihm wichtig ist.
Zukunftsforum Oberkochen ein Teil der Lösung für den OstalbkreisBläse spricht über Entwicklungsfelder, geförderte Schlüsseltechnologien, Innovationsmomente und Zukunftsperspektiven. Davon, wo der Landkreis in Zukunft punkten kann. „Was haben wir zu bieten?“, fragt er in die Runde. Nach dem Spatenstich im Frühjahr 2027 könnte das „Zukunftsforum Oberkochen“ bereits 2029 eröffnen. Folgt man Bläses Worten, ist das Zukunftsforum ein Teil der Lösung. Der Landrat schließt mit den Worten: "Alles Gute, unserem Zukunftsforum Oberkochen."
Kurz vor der Eröffnung steht das Großprojekt, das der ehemalige Zeiss-Vorstand Prof. Michael Kaschke seit Monaten als „politisches Prestigeobjekt auf Kosten der Steuerzahler“ kritisiert, noch nicht. Aber die Weichen sind durch den Ratsbeschluss vom März 2025 gestellt. Seit Dienstag existiert sogar ein „Förderverein Zukunftsforum Oberkochen e. V.“ mit Oberkochens Bürgermeister Marcel Winter und Landrat Joachim Bläse an der Spitze sowie Holzbau-Expertin Marlen Schlosser aus Jagstzell als Beisitzerin und Oberkochens Gemeinderat Julius Noah Siebert (SPD) als Schriftführer. So treibt man ein Projekt nach vorn. Ein weiterer Schritt ist gemacht, zumal nach wie vor der Stadtrat mehrheitlich pro Zukunftsforum eingestellt ist.
Marcel Winter erhofft sich positive Impulse für regionale UnternehmenAls Marcel Winter von Bläse auf dem Podium übernahm, konnte er mit seinem Detailwissen punkten. Als Bürgermeister muss er das qua Rolle sicher auch, dennoch vermittelte er den Eindruck, dass er für das Projekt brennt. Er schilderte, was alles möglich ist mit einem millionenschweren Zukunftsforum, das "Nachhaltige Innovationen im Holzbau", "Bio-Ökonomie", "Green-Tech" und "Ökologische Intelligenz" fördern soll.

Geht es nach Marcel Winter, dann werden auch Unternehmen vom „Zukunftsforum Oberkochen“ Vorteile erlangen. Er spricht (wie schon im Gemeinderat Mitte Juni) von Impulsen für neue Geschäftsmodelle, Unterstützung bei nachhaltiger Transformation, Netzwerken, Räumen für Prototyping und dem Aufbau gemeinsamer Zukunftskompetenzen. Auch diverse Vorträge erwähnt er, die im „Zukunftsforum Oberkochen“ gehalten werden können. Sogar von einem „Forschungsfrühstück“ ist die Rede. Wieso diese Veranstaltungen nur in einem zu bauenden Zukunftsforum stattfinden können, wurde wiederum nicht klar.
Beim "Zukunftsforum Oberkochen" geht es ausschließlich um HolzbauZu diesem Zeitpunkt war Simon Haag, von Landrat Bläse zu Beginn mehrfach erwähnt, vermutlich schon nicht mehr im Raum. Haag hatte als Oberbaumeister der Bau-Innung Ostalbkreis gehofft, dass beim „Zukunftsforum Oberkochen“ und nachhaltiger und innovativer Bauweise nicht nur Holz der Baustoff der Wahl sein würde. Doch klar wurde bei den Erläuterungen von Marcel Winter: Die Stadt Oberkochen und der Ostalbkreis unterstützen mit Ressourcen und Geldern nur eine Branche: den Holzbau.

Lesen Sie hier: "Das Zukunftsforum ist kein Abschiebeprojekt"
Für den neutralen Beobachter ist das wenig überraschend. Schon eher, dass noch kein Holzbau-Unternehmen signalisiert hat, sich nennenswert wirtschaftlich am „Zukunftsforum Oberkochen“ zu beteiligen. Ist es Desinteresse? Fehlt es am Glauben, dass die entstehenden Räumlichkeiten auch wirklich mit Leben gefüllt werden können? Gibt es überhaupt eine Notwendigkeit für diese Investition, wenn man die Leitplanken von Bund und Land außen vorlässt? Vielleicht hilft aber auch der „Holzbauscout“, für den gut 157.000 Euro an Landesfördermitteln bewilligt wurden und den Marcel Winter direkt ab 2027 installieren will. Diese neue Rolle soll relevante Akteure untereinander vernetzen, Informationen weitergeben, Projekte koordinieren – ein Kümmerer sein. Genug zu tun ist in Sachen „Zukunftsforum Oberkochen“ auf jeden Fall.
Transparenzhinweis: In einer ersten Version des Artikels stand, dass Marlen Schlosser Schriftführerin statt Beisitzerin im neuen Verein ist. Dieser Fehler wurde nachträglich korrigiert.
Zahlen zum ZukunftsforumNach derzeitigem Stand soll das "Zukunftsforum Oberkochen" 21,5 Millionen Euro kosten. Aus dem Fördertopf "RegioWIN-2030" erhält die Kommune 7,5 Millionen Euro. Weitere Förderungen bis zu einer Million seien noch möglich. Circa 14 Millionen Euro muss die Stadt Oberkochen selbst tragen.
Die jährlichen Abschreibungen im Haushalt betragen nach ersten Schätzungen rund 617.000 Euro. Dem stünden Fördermittelauflösungen von etwa 150.000 Euro pro Jahr gegenüber.
Für Personal kalkuliert die Verwaltung mit rund 280.000 Euro jährlich. Die Kosten für Unterhalt und Instandhaltung könnten sich auf etwa 370.000 Euro pro Jahr belaufen.
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